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„Statisch gespielte Töne sind noch keine Musik“

  • vor 5 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

 

Monika Schütz lebt mit ihrer Familie in Elsau ZH. Die studierte Klarinettenlehrerin mit Konzertdiplom und Blasmusikdirektorin arbeitet derzeit als Musik-Fachlehrperson und studiert seit einem Jahr als Quereinsteigerin „Schulmusik 1“ an der Pädagogischen Hochschule. Wegen des Studiums leitet sie derzeit keinen Verein als Dirigentin, sie macht aber Stellvertretungen und diverse Projekte.

 

 

Monika Schütz, Sie sind Jurorin am EMF – was und wen bewerten Sie genau?

Am Donnerstag und Freitag habe ich in der zweiten Klasse Harmonie das Selbstwahlstück bewertet. Das bedeutet, dass ich an den zwei Tagen 24 Formationen mit ganz unterschiedlichen Stücken gehört habe. Am Samstag bewerte ich in der 4. Klasse Harmonie ebenfalls das Selbstwahlstück. Es ist mein strengster Tag, denn wir hören 20 verschiedene Vereine, die alle in dieselbe Rangliste kommen.

 

Haben Sie sich als Jurorin beworben oder wurden Sie angefragt?

Man wird für diese Funktion angefragt. Es hilft sicher, wenn man eine gute Arbeit macht und sich beim Schweizer Blasmusikverband einen guten Ruf erarbeitet. Ich konnte dies dank meiner Arbeit als Co-Präsidentin des Zürcher Blasmusikverbands tun, wo ich dem Ressort Dirigieren vorstehe. Dass ich als Jurorin angefragt wurde, ist extrem schön, denn es ist so eine dankbare Aufgabe. Dass nach zehn Jahren wieder ein EMF stattfindet, ist grossartig. Nun all diese potenten und spielfreudigen Vereine zu sehen, macht mich richtig emotional.

 

Wie haben Sie sich auf Ihren Einsatz vorbereitet?

Bei den Selbstwahlstücken fällt die Vorbereitung natürlich viel intensiver aus als bei den Aufgabenstücken. Drei ganze Tage lang habe ich die Partituren studiert. Manche Stücke kannte ich bereits, diejenigen aus der 4. Stärkeklasse teils noch aus meiner Jugendmusikzeit. Dass wir die Partituren digital erhalten haben, empfand ich als anstrengend. Die übergrossen Papierformate sind für die Arbeit am Schreibtisch viel angenehmer. 

 

Apropos digital: Neu werden auch die Juryberichte digital erstellt. Wie stehen Sie dazu?

Das ist sensationell und entspricht dem Zeitgeist. Damit wird nun eine Pionierarbeit geleistet, denn dank dem Programm Hitobito werden künftig auch alle Kantonalmusikverbände auf dieses System zugreifen können.

 

Die Juroren der Aufgabenstücke hören den ganzen Tag dasselbe Wettstück. Ist dies nicht viel einfacher zu bewerten als dutzende unterschiedliche Stücke, wie es bei Ihnen der Fall ist?

Jein. Beim Bewerten der Pflichtstücke entwickelt sich die Erwartungshaltung im Laufe des Hörens. Es ist schwierig, sich rückblickend zu erinnern, wie die zweite oder fünfte Formation das Stück gespielt hat. Für uns ist es viel einfacher: Wir können über die Stücke reden, und das Memorisieren fällt einfacher. Wir vergleichen, ob das, was gespielt wird, dem entspricht, was in der Partitur steht. Hat der Verein eine Idee davon? Gelingt ihr Plan? Wird musiziert, gestaltet?

 

Das bedeutet, dass von all den „harten Faktoren“, die Sie bewerten, der musikalische Ausdruck am wichtigsten ist?

Das ist ein ganz wichtiger Faktor. Wenn nur statisch Töne gespielt werden, dann mag zwar alles „richtig“ sein, aber es ist noch keine Musik. Wenn die Musikalität aber da ist und ein Agieren stattfindet, dann dürfen auch mal Kleinigkeiten passieren. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass hierbei die Meinungen auseinandergehen.

 

Wie viele Emotionen lassen Sie als Jurorin zu?

Seit ich Kinder habe, bin ich deutlich emotionaler. Sowohl als Konzertbesucherin wie auch als Dirigentin musste ich schon weinen, weil ich durch die Musik so berührt worden bin. Auch hier habe ich das schon mehrfach erleben dürfen. Es gibt Vereine, die es schaffen, so viel an gebündelter Energie zu vermitteln.

 

Wie behalten Sie als Jurorin die Konzentration?

Mit viel Kaffee und Schokolade. Wir sind zum Glück sehr gut betreut, und wir Jurymitglieder helfen einander, wenn sich ein Tiefpunkt abzeichnet. Zum Beispiel, wenn man nach der richtigen Formulierung sucht. Es ist anstrengend, aber wir bemühen uns, allen Vereinen gerecht zu werden, die nun wochenlang auf dieses Fest hingearbeitet haben. 

 

Haben Sie neben Ihrer Arbeit vom Fest etwas mitbekommen?

Nein, wir haben bloss noch zu Abend gegessen und etwas getrunken. Geschlafen habe ich schlecht, aber für drei Tage im Jahr ist das ok.

 

Wie viele Eidgenössische Musikfeste haben Sie schon erlebt?

Interlaken 1996 war mein erstes EMF als Musikantin. In St. Gallen 2011 sowie in Montreux 2016 war ich als Dirigentin dabei. Hier in Biel amte ich erstmals als Jurorin.

 
 
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