Sie lösen am Eidgenössischen Musikfest fast jedes Problem
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Michel Graf (links): ist im zivilen Leben beim Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) angestellt. Als Vizepräsident deutsche Schweiz des Schweizer Blasmusikverbands (SBV) ist er der offizielle Verbandsvertreter im Organisationskomitee des EMF26. Graf ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt in Seedorf BE. Er spielt in der Musikgesellschaft Wahlendorf Perkussion.
Hanspeter Frischknecht (rechts): Ist als Gemeindeberater tätig. Er ist sowohl im SBV wie auch im OK des EMF für die Finanzen zuständig. Frischknecht ist verheiratet, Vater von vier Kindern und lebt in Suhr AG. Er spielt Tuba in der Musikgesellschaft Seon, die am Freitag am EMF teilgenommen hat.
Sie sind zwei der wichtigsten Köpfe, die dafür gesorgt haben, dass das EMF in Biel so kurzfristig organisiert werden konnte: Michel Graf und Hanspeter Frischknecht. Am dritten Festtag nehmen sie sich kurz Zeit für ein Gespräch. Doch ihre Telefone blinken quasi pausenlos. Beide bezeichnen sich als Troubleshooter und erste Anlaufstelle für quasi jedes Problem.
„Mal gab es einen Fehler bei einer Hotelbuchung, mal fehlten die Getränke für die Ansager. Oder das SRF rief an und sagte, am Zentralplatz herrsche ein Chaos, und die Aufnahmefahrzeuge könnten bei der Parademusik nicht mehr wenden“, beschreibt Michel Graf einige ihrer täglich zu lösenden Probleme. Der Seeländer kann seine Müdigkeit nicht ganz verbergen: „Seit letzten Sonntag bin ich auf Platz und schlafe pro Nacht höchstens zwei, drei Stunden.“
Die beiden OK-Mitglieder hätten noch keine Gelegenheit gehabt, ein Konzert oder einen Wettbewerbsbeitrag in Ruhe zu geniessen. Hanspeter Frischknecht war am Freitag mit seinem Verein, der Musikgesellschaft Seon, am EMF unterwegs. Doch auch da wurde er pausenlos mit Schwierigkeiten und Anfragen konfrontiert. „Sogar zwischen dem Einspielen und dem Wettbewerbsauftritt musste ich mithelfen, ein Problem zu lösen“, sagt er. Das habe sich natürlich auf seine Spielqualität ausgewirkt.
Michel Graf kann sich einen kleinen Seitenhieb an manche Vereinsleitungen nicht verkneifen: „Teilweise werden unsere Informationen einfach nicht gelesen.“ Im Vorfeld sei beispielsweise mehrfach kommuniziert worden, wie man die Festpins bestellen müsse, doch das habe vielmals nicht geklappt. Auch die Partituren ihrer Wettstücke, welche die Vereine im Vorfeld einschicken mussten, damit sich die Jurorinnen und Juroren angemessen vorbereiten konnten, wurden teils viel zu spät eingesendet. „Manche Partituren wurden uns sogar hierher nach Biel ins Hotel geschickt“, sagt Frischknecht.
„Bombenstimmung“ und Schweizergarde als Höhepunkte
Graf und Frischknecht sind jedoch nicht nur mit Schwierigkeiten konfrontiert, sondern auch mit viel Dankbarkeit. „Eben gerade ist ein Präsident eines Kantonalverbands auf mich zugekommen und sagte, er wolle ein Selfie mit Frischi als einem der Retter des EMF machen.“ Michel Graf wiederum nimmt sich an jedem Festtag sowohl am Mittag wie auch am Abend die Zeit, um beim Essen in der Esplanade-Turnhalle durch die Reihen zu gehen und die Musikantinnen und Musikanten zu begrüssen. Dabei erhalte er enorm viele positive und dankbare Rückmeldungen, dass das Fest stattfinden kann.
Nach dem bisherigen Höhepunkt gefragt, nennt Hanspeter Frischknecht die „Bombenstimmung“ am Donnerstagabend auf der Esplanade, die trotz des regnerischen Wetters geherrscht habe. Für Michel Graf war es das Zusammentreffen mit der „Banda“ der päpstlichen Schweizergarde. Er war es schliesslich auch, der die Idee hatte, die Garde nach Biel zu holen.
Als besonders positiv erwähnt Michel Graf auch die Zusammenarbeit mit dem Kollektiv des Bieler Gaskessels. Das Autonome Jugendzentrum (AJZ) befindet sich direkt neben dem Festgelände und sei anfangs gegenüber dem EMF skeptisch gewesen. Nun aber finden täglich Konzerte im „Chessu“ statt. „Es war eine Herzensangelegenheit von uns beiden sowie der OK-Präsidentin Nadja Günthör, die Jugend ans EMF zu bringen und sie zu animieren, ein Instrument zu lernen. Denn die älteren Semester kommen sowieso“, sagt Michel Graf.
Finanzen im Lot
Finanzchef Hanspeter Frischknecht ist zufrieden, wie sich das Fest finanziell entwickelt. „Die Finanzen haben mir nie schlaflose Nächte bereitet“, meint er, denn man habe das Fest von Anfang an so konzipiert, dass es sich den Gegebenheiten der Finanzen anpasst. Der Umsatz der verkauften Wertkarten sei „nicht gerade bombastisch, aber sehr gut“. Jeden Abend zähle er mit einer Zählmaschine anderthalb Stunden lang das eingenommene Bargeld, veranschaulicht er die Dimensionen eines EMF.
Info: Sämtliche Ranglisten finden Sie auf der Website www.emf26.ch
Zu einem späteren Zeitpunkt werden auch Bilder vom Fest hochgeladen.
Das EMF in Kürze
Das Eidgenössische Musikfest 2026 (EMF 26) findet vom 14. bis 17. Mai in Biel statt. Das in der Regel alle fünf Jahre stattfindende Fest gilt mit 24 071 Teilnehmenden als einer der weltweit grössten und bedeutendsten Musikwettbewerbe. 532 Musikvereine aus der ganzen Schweiz messen sich in verschiedenen Kategorien und Stärkeklassen um den Titel «Schweizermeister für fünf Jahre».
Somit werden über die Auffahrtstage im Zentrum von Biel über 100 000 Menschen ihrer Leidenschaft für die Musik frönen – sei es als aktiv Teilnehmende oder als Zuhörende. Mit einem breit gefächerten Rahmenprogramm unter dem Motto «Musik verbindet» wird zudem ein grosses Volksfest geboten. Das EMF 26 ist ein kultureller Höhepunkt von nationaler Bedeutung und Ausstrahlung.




