Die Jungen sollen sagen: «Das war ein cooles Fest!»
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Nadja Günthör ist überzeugt, dass es ein «cooles» Fest wird, das insbesondere auch den jungen Leuten etwas bietet!
Autorin: unisono, Franziska Dubach
Nur noch wenige Wochen bis zum Eidgenössischen Musikfest 2026 Biel/Bienne (EMF26), dem weltweit grössten Festival seiner Art! Das EMF26 wird von einem äusserst engagierten Team in Rekordzeit auf die Beine gestellt. Die OK-Präsidentin Nadja Günthör spricht mit «unisono» über die grosse Vorfreude auf ein «besonders cooles» Fest und über die noch anstehenden Herausforderungen.
Nadja Günthör, wie bist du OK-Präsidentin geworden?
Nach der Absage aus Interlaken kam Michel Graf, Vizepräsident des Schweizer Blasmusikverbands (SBV), anfangs Dezember 2024 auf mich zu und fragte, ob ich das machen würde. Ich schluckte erst drei Mal leer, denn die Herausforderung, ein solch grosses Fest in der verbleibenden Zeit auf die Beine zu stellen und mit einem Budget von null Franken zu starten, schien mir auf den ersten Blick zu gross.
Was hat dich motiviert, die Herkulesaufgabe dennoch zu übernehmen?
Ich bin eine Macherin, organisiere und helfe gern, stehe auch hin und übernehme Verantwortung. Und ich wusste, dass das EMF stirbt, wenn niemand in die Bresche springt! Ich sehe mich durch und durch als Vereinsmensch, der die Leute und die Musik gern hat. Die Musik – insbesondere die Blasmusik mit ihren Vereinen – ist ein spannendes Kulturgut, das Menschen verbindet. Ausserdem bot sich mir so die Gelegenheit, einen Einblick in den grössten Amateur-Musikverband der Schweiz zu erhalten, andere Menschen kennenzulernen und viel Neues zu lernen.
Nach 50 Jahren findet das «Eidgenössische» wieder in Biel/Bienne statt. Nicht nur deswegen soll es ein ganz besonderes Fest werden.
Genau, das Fest wird anders als bisher. Wir wollen speziell unseren jungen Musikantinnen und Musikanten etwas bieten. Sie sollen das EMF26 als modern und lohnend wahrnehmen und am Ende sagen: «Das war ein cooles Fest!»
Welche Chancen bieten sich deiner Ansicht nach?
Ich sehe Chancen für den Verband wie auch für die Blasmusikszene, ihr Image zu verjüngen. Am EMF kann sie sich frisch und dynamisch präsentieren und der Bevölkerung zeigen, wie cool die Blasmusik und ihre Vereine tatsächlich sind.

Auf dem Zentralplatz wird es mitten in Biel eine offene Konzertbühne geben.
An welche Aspekte denkst du dabei?
Den teilnehmenden Vereinen wird das EMF einen sehr würdigen Rahmen bieten, um wichtige gesellschaftliche Werte zu zelebrieren, die in ihren Reihen meist noch ganz selbstverständlich sind. Ich denke besonders an den Zusammenhalt und die Rücksichtnahme zwischen jüngeren und älteren Mitgliedern, an das gegenseitige Vertrauen, daran, gemeinsam an einem Ziel wie der EMF-Teilnahme zu arbeiten und den Erfolg am Schluss hoffentlich als Team zu feiern.
Kommen wir auf das OK und die Festorganisation zu sprechen. Was funktioniert gut?
Mein OK-Team macht einen tollen Job. Obwohl alle einem Beruf nachgehen, engagieren sie sich ehrenamtlich für das «Eidgenössische». Das ist nicht selbstverständlich, vor allem in Anbetracht der Kurzfristigkeit. Auch die Zusammenarbeit mit der städtischen Verwaltung, mit den Verkehrsbetrieben Biel sowie mit Tourismus Biel Seeland läuft bestens und dafür bin ich sehr dankbar. Weil unsere Organisationsdauer so kurz ist, halte ich als OK-Präsidentin nicht nur die Fäden in der Hand, sondern schreibe Briefe auch mal selbst, korrigiere Texte oder gehe auf Sponsorensuche.
Wie bringst du persönlich alles unter einen Hut?
Ich weiss es manchmal auch nicht, aber es läuft einfach [strahlt]. Manchmal muss man dieses innere Feuer auch einfach weitergeben und mit anderen teilen, zum Beispiel mit all den guten und enthusiastischen Leuten im Rücken. Das OK ist ein super Team, jeder ist wichtig – ohne sie alle und ihr Herzblut ginge es nicht, und auch nicht ohne all die Vereine, die mithelfen oder teilnehmen! Der Enthusiasmus überwiegt und ich bin trotz Anspannung sehr gelassen.

Im Theater NEBIA wird nebst Wettbewerbsstücken von Vereinen auch das eröffnende Galakonzert des Symphonischen Blasorchesters Schweizer Armeespiel zu hören sein.
Wo gibt es noch Herausforderungen?
Wie schon mehrfach erwähnt, ist die Zeit sehr knapp, um das ganze Fest zu organisieren, dabei auch finanziell solid dazustehen und genügend Sponsoren zu finden. Jetzt steht noch die Detailarbeit an, dass wir genug Helferinnen und Helfer finden, die uns am Fest unter die Arme greifen, dass die Infrastruktur rechtzeitig bereitsteht und das Sicherheits- und Verkehrskonzept funktioniert.
Wie finanziert sich das Fest, wie gross ist das Budget?
Zu rund je 50 Prozent aus Festkarten und Sponsoring sowie von der öffentlichen Hand. Das Budget liegt bei 5,7 Mio.
Konnten namhafte Sponsoren gefunden werden?
Ja, Hauptsponsoren, wie die Stadt Biel, Feldschlösschen und Bayard CO LTD. Auch mit SRG SSR wird es eine Zusammenarbeit geben. Dazu kommen viele weitere Sponsoren, die noch nicht alle spruchreif sind.
Beeinflusst der verheerende Brand in Crans-Montana das Sicherheitskonzept für das EMF26?
Nein, bisher nicht. Das Bewilligungsgesuch mit allen nötigen Dokumenten inkl. Sicherheits- und Verkehrskonzept konnten wir vorzeitig bei der Stadt Biel einreichen, die sich positiv überrascht zeigte. Kleine Anpassungen müssen sicher noch gemacht werden, doch wir sind auf Kurs.
Biel wird mit 550 Vereinen eine Rekord-Teilnehmerzahl verbuchen und das OK vermutlich auch vor weitere Herausforderungen stellen?
Die Zahl fordert uns infrastruktur- und übernachtungsmässig, aber wir haben uns dennoch riesig gefreut, dass die Vereine sich so motiviert angemeldet haben. Ich sehe darin auch einen Vertrauensbeweis.
Wie läuft die Helfersuche?
Sie ist gut angelaufen, wir sind zufrieden. Die Vereine des Seeländischen bzw. Jurassischen Musikverbands werden uns tatkräftig unterstützen, aber das reicht noch nicht aus. Wir sind auf zahlreiche weitere Vereine und Einzelpersonen angewiesen, die sich als als Helferin/Helfer fürs EMF26 eintragen.

Auch die Bieler Altstadt wird während den Festtagen mit einer musikalischen Plattform von sich reden lassen.
Warum ist es attraktiv, sich als Helfer/-in zu engagieren?
An einem so grossen und coolen Event mitzuhelfen ist doch Ehrensache. Man kann vom «Learning by Doing»-Effekt profitieren und die Helfenden erwartet ein hochwertiges Helfer-Shirt sowie ein «Goodie-Bag», um im Einsatz gut verpflegt zu sein.
Werden das Militär und der Zivilschutz auch unterstützen?
Ja, die Zivilschutz- und Armeeangehörigen werden uns vor allem im Auf- und Abbau helfen. Der Chef der Arme war sehr zuvorkommend, konnte uns jedoch wegen der kurzen Fristen nicht alle Wünsche erfüllen.

Das EMF26 wird in der Bieler Innenstadt gefeiert – hier auf dem Guisanplatz – und soll ein «Fest für alle» werden.
Welcher EMF-Fanartikel ist dein Favorit?
Der Festpin – mit dem EMF-Logo als Achtelnote. Dieser kann, wie auch alle anderen Gadgets, bereits jetzt online bestellt und auch vor Ort gekauft werden. Der Pin steht nicht nur als Wertschätzung für das Fest und das OK, sondern bietet für zehn Franken an allen vier Festtagen die kostenlose Benutzung der Busse der Bieler Verkehrsbetriebe in der Zone 300. Der Pin ist nicht in der Festkarte inbegriffen, aber für teilnehmende Vereine gibt es ein attraktives Angebot.
Das EMF26 soll ein Volksfest werden. Wie erfährt das breite Publikum von diesem Grossevent?
Nebst der Berichterstattung im «unisono» werden wir die Werbung insbesondere in der Region noch zusätzlich ankurbeln, u.a. mit Presseberichten und Inseraten im Bieler Tagblatt und im Journal du Jura sowie in den Medien der Ringier-Gruppe – z. B. im Blick. Zudem arbeiten wir mit der SBB zusammen. So können wir den Event im öV bewerben, z. B. durch Aussenwerbung auf Bussen und Screens. Weiter wird die Stadt mit auffälligen Fahnen an den Kandelabern geschmückt, und punktuell werben wir mit Plakaten.
Für EMF Montreux 2016 wurde eine Sondermünze geprägt.
Und fürs EMF26 gibt die Post eine Sonderbriefmarke heraus! Im «unisono» werden weitere Infos folgen, sobald sie lanciert ist.

Im Saal des Kongresshauses werden etliche Musikgesellschaften ihren Konzertwettbewerb bestreiten.
Wie profitiert die zweisprachige Stadt Biel?
Wirtschaftlich. Eine im Frühling 2025 durch die Hochschule für Wirtschaft Zürich und Ticketcorner veröffentlichte Studie zeigt, dass solche Grossanlässe eindeutig relevant sind. Unmittelbar mess- und spürbar sind die Ausgaben, die Besuchende tätigen – Geld für Tickets, Übernachtungen, die Mobilität vor Ort sowie die Verpflegung. Sie bringen lokalen Unternehmen Einkünfte, die sie sonst nicht hätten.
Was werden die Highlights des viertägigen Fests sein?
Zum einen dass das EMF im Stadtzentrum von Biel stattfindet – auf der überdachten Esplanade und nicht in einem Festzelt. Zum andern bietet das Rahmenprogramm nebst den Musikwettbewerben und der Parademusik für ALLE etwas!
Was für ein Rahmenprogramm erwartet das Publikum?
Ein Spannendes! Es wird anders sein als bisher. Aus der Chance der Kurzfristigkeit konnten wir das EMF neu und modern aufgleisen.

Als Einheimische möchte die OK-Präsidentin den Festteilnehmenden auch die schöne Region mit ihren zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten schmackhaft machen.
Welche Programmpunkte fallen dir dazu spontan ein?
Ich denke dabei an die Eröffnungsfeier am Mittwoch vor Auffahrt: Da wird uns u.a. die oberste Kulturministerin des Landes die Ehre erweisen, aber auch das Musikalische wird mit einem Galakonzert nicht zu kurz kommen. In der Stadt – beim Guisan- und beim Zentralplatz – gibt es je eine offene Bühne mit einem vielseitigen Musikprogramm. Dazu kommt eine Plattform in der Altstadt. Dort werden u.a. Streetbands auftreten und auch Musikvereine, die nicht am Wettbewerb teilnehmen, sorgen für Unterhaltung. Ein weiteres Highlight werden die Auftritte des Spiels der Päpstlichen Schweizergarde am Freitag und Samstag sein. Man darf sich also auf ein kunterbuntes Eidgenössisches Musikfest freuen!
Nadja Günthör, beende zum Schluss die folgenden Sätze:
Persönlich freue ich mich am EMF26 am meisten auf … Begegnungen, Klänge und das schöne Wetter (schmunzelt).
Ich bin gespannt darauf, … wie das Fest bei den Leuten ankommen wird.
Die Zeit als OK-Präsidentin des EMF26 hat mir gezeigt, dass … man das Unmögliche möglich machen kann!
Die kurze, herausfordernde Organisationzeit hat das OK-Team 2026 … gefordert, aber auch gestärkt und zusammengeschweisst.
Mit dem EMF26 in Biel/Bienne wollen wir … die Blasmusikszene sichtbar machen und dafür sensibilisieren, wie wichtig unsere Szene und das Vereinsleben für unsere Gesellschaft sind.
Als Einheimische möchte ich … unsere schöne Region zeigen, das Seeland.

«Wir sind sehr dankbar für die grosse Unterstützung, die wir von den Helferinnen, den Sponsoren und der öffentlichen Hand erfahren, und die auch nötig ist, um ein solches Fest in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen.»
Porträt Nadja Günthör
OK-Präsidentin des Eidg. Musikfests Biel/Bienne 2026
beruflich als Dipl. Personal Coach, Ausbildnerin und Politikerin unterwegs
wohnt in Erlach BE
verheiratet mit Werner Günthör (ehemaliger Kugelstoss-Weltmeister und Olympiamedaillengewinner)



