„Das lässt hoffen für die Zukunft“
- 16. Mai
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Thomas Trachsel aus Obergösgen SO ist Präsident der Musikkommission des Schweizer Blasmusikverbands (SBV) und in dieser Funktion für die Musik am Eidgenössischen Musikfest verantwortlich.
Der zweifache Vater ist Komponist, Dirigent, Dozent und in der Schulmusik tätig. Am EMF26 stammt das Wettstück der 1. Klasse Harmonie, „Metamorphosis“, aus seiner Feder.
Thomas Trachsel, Sie sind für den Bereich Musik am EMF26 verantwortlich. Was beinhaltet das alles?
Thomas Trachsel: Die Musikkommission des SBV hat im Vorfeld die ihr vorgeschlagenen Säle begutachtet und geprüft, die Parademusik-Strecken bestimmt, die Aufgabenstücke ausgewählt und die Jurymitglieder organisiert. Nun, am Fest selber, bin ich viel in den Sälen unterwegs, höre, wie es akustisch läuft und spreche mit den Jurymitgliedern. Und ich bin ich auf Abruf: Wenn irgendwo etwas passiert, muss ich sofort einschreiten und handeln können.
In welchen Situationen müssten Sie einschreiten?
Wenn es zum Beispiel in einem der Jury-Dreierteams nicht harmonieren sollte. Es kann immer mal vorkommen, dass ein solches Team nicht harmoniert, wenn zum Beispiel zwei Mitglieder stets konträrer Meinung sind. Das ist absolut menschlich. Für solche Fälle, aber auch, falls jemand kurzfristig krank werden sollte, haben wir im Vorfeld Stellvertreterinnen und Stellvertreter definiert.
War das Zusammenstellen der Jury Ihre grösste Herausforderung?
Ja. Am EMF26 sind gegen 130 Jurorinnen und Juroren engagiert. Das war nicht ganz einfach und hat mir tatsächlich die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet.
Verdienen die Jurymitglieder Geld?
Ja, und das ist auch richtig so, denn dieser Job ist wirklich anstrengend. Man arbeitet viele Stunden am Tag hochkonzentriert, und auch wenn niemand gern darüber spricht: Da wird man einfach müde.
Verdienen auch Sie am EMF etwas?
Nein, das ist innerhalb meines Funktionärssalärs abgegolten. Dies fällt aber minimal aus.
Wie viel Zeit wenden Sie für das Musikkommissions-Präsidium auf?
Das ist schwierig zu sagen, aber mindestens einen Tag pro Woche.
Am Samstag wird Ihr Wettstück „Metamorphosis“ uraufgeführt. Was ist das für ein Gefühl, wenn ein Komponist einer Uraufführung beiwohnt?
Das ist natürlich ein Höhepunkt, und ich bin sehr gespannt darauf. Am Samstag und Sonntag sollte ich etwas Zeit haben, um reinhören zu gehen. Man braucht dann aber auch ein paar Tage lang einen breiten Rücken. Denn interessant waren die Reaktionen im Vorfeld auf das Stück: So hat jemand zwar nicht direkt mir, aber der Geschäftsstelle mitgeteilt, ich hätte dringend einen Psychiater nötig (lacht). Aber je länger der Probebetrieb dauerte, desto positiver sind die Reaktionen ausgefallen, das beruhigt mich. Aber es ist klar: Ein Aufgabenstück polarisiert meistens, und mir scheint, für ein solches Fest ist durchaus Literatur gefordert, die sich die Vereine nicht unbedingt gewohnt sind.
Wann haben Sie zum ersten Mal ein EMF besucht?
Als Musikant war das 1991 in Lugano, als Dirigent 2006 in Luzern. Jetzt ist es mein erstes EMF als Muko-Präsident.
Was ist Ihr erster Eindruck vom EMF in Biel?
Als Interlaken die Reissleine gezogen hat, war ich enorm besorgt. Wenn niemand in die Bresche gesprungen wäre, wäre das für unser Hobby sehr schlecht gewesen. Es ist hinlänglich bekannt, dass ich nicht der allergrösste Fan von Musikwettbewerben bin. Aber ein Fest als solches als Treffpunkt, und um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es uns noch gibt, ist sehr wichtig. Darum ist es so verdankenswert, dass das Team aus Biel eingesprungen ist und das Fest in rekordverdächtiger Zeit auf die Beine gestellt hat. Dafür kann man ihm gar nicht genug Danke sagen. Auch wenn vielleicht nicht immer ganz alles nach Plan läuft: Die Stimmung ist schön, extrem friedlich, alle sind glücklich, und die Lokalitäten sind allesamt gut besucht. Das freut mich sehr und lässt doch hoffen für die Zukunft!




